Geschichte des Gasthauses
Bauzeit
Dentrochrnonologische Untersuchungen ergaben, dass das für das Fachwerk und die Dachkonstruktion verwendete Eichenholz im Winter 1566/67 geschlagen wurde. Eiche ist die natürlich wachsende Holzart in dieser Region und wurde hier auch häufig für das Fachwerk und die Dachkonstruktionen verwendet. Da Bauholz in der Regel nicht getrocknet wurde, kann somit angenommen werden, dass das Gasthaus 1567 erbaut wurde. Dies stimmt auch mit Berichten überein, dass etwa zu dieser Zeit die Kapelle und das daneben befindliche Benefiziatenhaus abgerissen und die Steine unter anderem für den Bau eines Wirtshauses verwendet wurden. Mit 459 Jahren ist das ehemalige Gasthaus gleichzeitig das älteste erhaltene Gebäude im Ort.
Ursprüngliche Nutzung des Gebäudes
Aufgrund der kostspieligen Bauweise des Gebäudes und insbesondere der Bohlenstube drängt sich geradezu die Vermutung auf, dass neben einer Nutzung als Gasthaus auch eine repräsentative Nutzung vorlag. Hierfür spricht insbesondere, dass die Gaststätte sich offenbar von Anfang an im Besitz der Gemeinde befand und diese seit 1498 einen Amtssitz besaß. Als Argument wird zuweilen auch genannt, dass das Weistum, welches 1567 von Georg Ernst zu Henneberg bestätigt wurde, die Vorschrift enthält, dass beim Petersgericht (14 Tage vor oder nach Petri Cathedra, also dem 22. Februar) Anwesenheitspflicht für jeden Haushaltsvorstand bestand, wofür ein entsprechend großer Saal notwendig war. Allerdings hatte Hendungen den Amtssitz bereits im Jahr 1498 erhalten, muss also bis zum Bau dieses Gebäudes bereits einen Zeitraum von 69 Jahren überbrückt haben.
Gelegentlich wird auch die Vermutung geäußert, dass eine Nutzung als Zehnthaus vorlag. Hiergegen spricht allerdings bereits, dass für die Sammlung des Zehnts die jeweiligen Empfänger und nicht die Gemeinde zuständig waren, das Wirtshaus aber offenbar von der Gemeinde errichtet wurde. Zudem ist die bauliche Gestaltung des Gebäudes für das Zusammentragen von größeren Naturalienmengen denkbar ungeeignet.
Vor allem existiert aber kein einziger Beleg dafür, dass das Gebäude tatsächlich als Amtssitz oder Zehnthaus genutzt wurde. Stattdessen wird es schon in den ältesten erhaltenen Quellen als Wirtshaus bezeichnet: sowohl im Bericht über die Verwüstung der ehemaligen Kapelle nach 1557 als auch in Rechnungen aus den Jahren 1626 und 1630.
Der Bau des Gasthauses fand unter denkbar ungünstigen politischen Voraussetzungen statt. Nur wenige Jahrzehnte vorher hatte der Bauernkrieg zu zahlreichen Verwüstungen in der Region geführt. Die Herren von Hendungen waren eigentlich insolvent und hatten bereits das Erbrecht an ihren Besitzungen an die sächsischen Wettiner veräußert. Da ein Ende der Henneberger Herrschaft somit absehbar war, war auch das baldige Ende des Amtssitzes von Hendungen wahrscheinlich und trat 1586, also nur etwa 20 Jahre nach der Errichtung des Wirtshauses, auch ein.
Bekannte Vorpächter
In einer Urkunde aus dem Jahr 1573 wird ein Hans Pfister, Wirt zu Hendungen, erwähnt, der ein Verhältnis zur Magd, eine Schwestertochter (Nichte) der Ehefrau, gehabt haben soll.
Dass zu dieser Zeit nur ein Wirtshaus in Hendungen existierte, ergibt sich aus einer aus dieser Zeit stammenden Beschwerde des Christoph Voit von Rieneck (der einige Jahre später in Würzburg als Rat in die Dienste des Fürstbischofs trat) beim Oberamtsverweser Caspar Bopp in Römhild unter anderem weil die Brüder Georg und Siegmund Voit von Salzburg „vor dem Wirtshause von Hendungen“ seinem Reitknecht „Landtfried brüchiger weiß undt mit gewalt mit gewehrter Handt“ ein edles Pferd wegnahmen.
In der Ausgabe vom 1. August 1811 hatte das „Königlich Baierische Intelligenzblatt für das Großherzogthum Würzburg“ gemeldet, dass der ledige Caspar Neugebauer unlängst zu Hendungen verstorben sei und die eingesetzten Testamentserben die Erbschaft nur „mit Vorbehalt der Rechtswohlthat des Gesetzes und Inventars“ angetreten haben. In der Ausgabe vom 7. Februar 1815 veröffentlichte das „Königlich Baierische Intelligenzblatt für das Großherzogthum Würzburg“ die amtliche Vorladung an die Gläubiger bezüglich des Nachlasses bzw. der Konkurssache des Caspar Neugebauer, Wirth zu Hendungen, zum ersten (von drei) gerichtlichen Verhandlungstagen (Edictstag) am Dienstag den 21. März diesen Jahres (also 1815) früh um 8 Uhr.
Im „Würzburger Stadt- und Landbote“ vom 23. September 1862 wurde die Versteigerung der Gebäude (Wirtshaus, Scheune, Schweinestall und Hofraum) der Hausnummer 130 (heute: Wirtsgasse 2) für den 11. Oktober 1862 durch den in Mellrichstadt ansässigen königlichen Notar Bruno Langenbrunner angekündigt. Zugleich wurde für den Fall, dass die Kaufgebote als nicht annehmbar befunden würden, die strichweise Verpachtung des Wirtshauses für einen 3- bis 6-jährigen Zeitraum angekündigt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Wirtshaus im Besitz der Gemeinde und besaß folgende Aufteilung:
- Keller
- Erdgeschoss: Gaststube mit Nebenzimmer, Wohnstube, Küche, Schenkkammer, Vorplatz (Flur) und zwei Viehställe
- 1. Stock: Tanzstube, zwei Zimmer, vier Kammern (Räume mit etwa halber Größe eines Zimmers), Vorplatz und Abtritt (Toilette)
- 2. Stock: zwei Dachböden
Mindestens zwischen 1876 und 1900 wohnte Michael Joseph Breun mit seiner aus Oberstreu stammenden Ehefrau Veronika Ottilia in der Hausnummer 130. Bei der Viehzählung und Obstbaumzählung am 1. Dezember 1900 wurden ihm zugeordnet:
- fünf Stück Rindvieh,
- drei Schweine,
- eine Ziege,
- acht Gänse,
- 16 Hühner,
- fünf Apfelbäume,
- zwei Birnbäume sowie
- zwölf Zwetschgen- und Pflaumenbäume
Auf einer etwa 1935 erschienenen Postkarte ist das Wirtshaus mit der Beschriftung „Gasthaus zum Schwan und Adler“ abgebildet. Die Rückseite dieser Postkarte gibt als Inhaber F. Trabert an. Beworben werden dort die guten Biere und Weine, der bürgerliche Mittagstisch sowie die Fremdenzimmer.
Bis 1952 wurde das Wirtshaus von Erika Trabert und Rudolf Fries betrieben. Erika Trabert, am 1. April 1912 in Themar als Erika Schwarz geboren, war anschließend ab 1953 bis mindestens 1964 Pächterin des Gasthauses „zur Post“ in Arnstein.
Familiengeschichte
Ab dem 1. Oktober 1952 pachteten die aus Tschechien stammenden Johann und Ida Krommer das Wirtshaus. Bereits in seiner Heimatgemeinde Würbenthal (heute: Vrbno pod Pradědem) hatte Metzgermeister Johann eine Metzgerei besessen.
Nach dem Tod des 59-jährigen Johann im Jahr 1961 übernahm dessen Tochter Elisabeth („Lissi“) mit ihrem erst zwei Jahre zuvor angeheirateten Ehemann Felix Bach die Pacht. Felix hatte am 9. November 1960 die Meisterprüfung für das Fleischerhandwerk abgelegt. 1965 wurde ein neuer Verkaufsraum für die Metzgerei eingerichtet. Da die Räumlichkeiten in der Metzgerei zu klein wurden, erwarben sie am 15. Februar 1969 das Grundstück mit den Gebäuden von der Brauerei Hugo Streck in Ostheim vor der Rhön. Anschließend erfolgte der Abriss des alten Schlachthauses und der Scheune. An deren Stelle wurde eine moderne Metzgerei erbaut. 1976 endete der Betrieb des Tanzsaals im 1. Stock und in den 1980ern auch der Betrieb der Gastwirtschaft, so dass nun ausschließlich die Metzgerei weitergeführt wurde. Seit dem 18. Mai 1984 führt auch der älteste Sohn von Felix und Elisabeth, Michael Bach, den Meistertitel im Fleischer-Handwerk.
Seit 1995 wird die Metzgerei von Michael und Heike Bach in der 3. Generation geführt – seitdem auch mit Partyservice. Nach ihrer Renovierung steht seit 2001 auch die Bohlenstube im 1. Stock des Hauses für Familienfeiern und sonstige Veranstaltungen zur Verfügung.
Die Metzgerei besteht also nunmehr seit stolzen 73 Jahren und sechs Monaten.



